STEINZEIT – Das Experiment

Erstausstrahlung der vierteiligen Reise durch die Geschichte: Mai/Juni 2007 im Ersten/ARD.

Folge 1: Der Härtetest
Folge 2: Der Aufbruch
Folge 3: Auf Ötzis Spuren
Folge 4: Die Heimkehr

Kamera: R. Nowak, J. Schmoll, M. Merkel
Schnitt: Susanne Heller
Redaktion: SWR

Webseite: Steinzeit - Das Experiment
Leben wie vor 5000 Jahren.
Beschreibung
Beschreibung

Eine neue dokumentarische Zeitreise. Ein wissenschaftlicher Versuch. Und ein großer Schritt zurück in die Vergangenheit: In die Zeit um 3.300 v. Chr., in die spannende Welt von Ötzi, dem Steinzeit-Mann aus dem Eis.

13 Menschen von heute wechselten für acht Wochen die Welten, tauschten den Komfort der Postmoderne mit Steinbeil und Pfahlbauten. Und so viel darf man schon verraten: Was die sieben Erwachsenen und sechs Kinder (!) dabei erlebten, werden sie niemals vergessen…

Ein Team des SWR hat dieses wissenschaftliche Abenteuer unter der Regie von Martin Buchholz mit der Kamera dokumentiert.

Ein Interview der SWR-Presseabteilung mit Martin Buchholz:

Sie haben bereits zahlreiche Dokumentationen gedreht und dafür auch den Adolf-Grimme-Preis erhalten. Außerdem waren Sie für das ZDF bei Doku-Serien als Regisseur tätig. „Steinzeit – Das Experiment“ soll sich in der abendlichen Hauptsendezeit gegen starke Konkurrenz wie Quiz-Shows oder Unterhaltungsserien behaupten. Wenn Sie mit dokumentarischen Formaten wie dem Steinzeit-Projekt in der Primetime bestehen wollen, setzt dies voraus, dass sich Dokumentationen auch inhaltlich und in ihrer Machart in den Bereich der Unterhaltung vorwagen müssen?

Ich halte die Unterscheidung zwischen „Information“ und „Unterhaltung“ im Fernsehen oft für künstlich aufgebaut. Natürlich ist eine Doku wie „Steinzeit“ kein Unterhaltungsformat wie der „Musikantenstadl”. Aber so spannend wie der „Tatort“ ist sie trotzdem. Als Dokumentarfilmer möchte ich den Zuschauern Unterhaltung bieten, über die man sich hinterher angeregt unterhalten kann, über die man auch auf dem Sofa vor dem Fernseher mal wieder ganz unterschiedlicher Meinung sein kann. Die Zuschauer dürfen neugierig werden, diskutieren. Mehr wissen wollen über ein aufregendes Thema, das sie 45 Minuten zuvor vielleicht noch gar nicht sonderlich interessierte.

Die angemessene Machart für „Steinzeit – das Experiment“ zu entwickeln, war dabei sicher die größte Herausforderung für mich. Der redaktionelle Wunsch war, die Erlebnisse und Geschichten unserer Sippe in enge Beziehung zu wissenschaftlichen Auswertungen und Erkenntnissen zu setzen. Es soll stets deutlich bleiben: Dies ist mehr als ein aufregendes Familienabenteuer. Es ist ein Experiment. Und da müssen auch Ergebnisse präsentiert und ausgewertet werden. Dies alles in eine Form zu gießen, die immer spannend, für den „Steinzeit-Laien“ immer nachvollziehbar und im besten Sinne unterhaltsam bleibt, hat meiner Cutterin Susanne Heller und mir manche Nuss zu knacken gegeben.

Welche Rolle für den Erfolg bei den Zuschauern spielen dabei die 13 Menschen der „Steinzeit-Sippe”?

Die sieben Erwachsenen und sechs Kinder unserer Sippe sind ganz klar die Helden dieser Serie. Echte und liebenswerte Helden, wie ich finde. Sie haben mit Humor und Ausdauer wirkliche Strapazen gemeistert. Die Erlebnisse unserer Sippe waren nicht vom Drehbuch vorgegeben. Wir sind vielmehr mit der Kamera ihren Erfahrungen gefolgt, haben mit ihnen dazu gelernt, mit ihnen einer Lösung entgegengefiebert und nur im echten Notfall von außen eingegriffen. Ich glaube, das ist auch das schöne Spannungsmoment von „Steinzeit – das Experiment”. Weil es so war, wie beim Fußball: Man weiß eben vorher nicht, wie es ausgeht.

Gab es auch drehfreie Zeiten? Und gab es so etwas wie Tabubereiche?
Das nur „halb“ steinzeitliche, dafür umweltgerechte Plumpsklo der Sippe (mit Moos und Blättern als Klopapier) und auch ihre Intimsphäre waren tabu für die Kameras. Ansonsten galt die Regel: Unsere Experimentteilnehmer wissen immer, wann gedreht und aufgezeichnet wird. Keine versteckten Kameras, kein heimliches Abhören. Ihre Ansteckmikrophone haben wir ihnen abends mit Drehende abgenommen und morgens wieder angesteckt. Drehfreie Zeiten gab es auch, mal einen Tag, manchmal zwei Tage am Stück. Ich glaube, das waren auch wichtige Zeiten für unsere Sippe. Sie acht Wochen unter pausenlose Dauerbeobachtung zu stellen, hielten wir für unzumutbar.

Haben Sie nach dem sonnigen Juli 2006 mit einem derart verregneten August gerechnet? Und wie hat sich das Wetter auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Der August 2006 war der kälteste und regenreichste seit Jahrzehnten. In diesem Ausmaß traf uns das alle völlig unerwartet. Nicht nur unsere „Steinzeit”-Sippe, auch unser Team war ständig nass bis auf die Knochen. Ich kann mich nur bei meiner gesamten Mannschaft dafür bedanken, mit welcher Beharrlichkeit sie trotzdem alle ihren Job gemacht haben. Aber es ist wie so oft beim Fernsehen: die besonders schwierigen Umstände der Dreharbeiten in diesen Wochen waren für den Spannungsbogen der Dokumentation am Ende ein unverhofftes Geschenk. Die harten äußeren Bedingungen machten unser Experiment vom ersten Tag an zu einer echten Bewährungsprobe, die in Bildern und Geschichten viel mehr über den schweren Alltag in der Steinzeit und die existentielle Abhängigkeit von den Launen der Natur erzählt, als wenn das Ganze unter strahlendem Sonnenschein über die Bühne gegangen wäre.

Wie haben die Protagonisten nach drei Wochen „Steinzeit-Leben“ ausgesehen und gerochen?

Ich behaupte einmal: Kein Maskenbildner hätte unsere Teilnehmer so überzeugend schminken können, wie das „Steinzeit”-Leben sie „gezeichnet“ hat. Kleidung und Schuhe sahen schon nach fünf Tagen im besten steinzeitlichen Sinne „gebraucht“ aus. Wie unsere Sippe gerochen hat? Eine sehr indiskrete Frage! Aber ganz unverfänglich zu beantworten: Sie dufteten stets leicht geräuchert. Kein Wunder, wenn man den Großteil des Tages an einer Feuerstelle verbringt.

Was haben Sie an der „Steinzeit”-Fernsehsippe besonders bewundert?

Ihr Durchhaltevermögen! Trotz fiesem Wetter, jammernder Kinder und knapper Vorratslage. Ihre Geduld, durch ständiges Ausprobieren Lösungen für ihre steinzeitlichen Alltagsprobleme zu finden. Und ihren Humor, mit dem sie manche kleine und größere Katastrophe gemeistert haben. Dass die Kinder in den ersten Wochen oft genörgelt haben, ist natürlich kein Wunder. Aber im Lauf der Zeit haben sich die fünf Jungs und unsere kleine „Steinzeit-Fee“ Ronja richtig eingewöhnt in dem anderen Leben. Wie die Kleinen das hingekriegt haben und wie selbstverständlich und geschickt sie sich später im „Steinzeit”-Alltag zurechtfanden, das hat mich sehr beeindruckt.

Wenn Sie die Wahl haben: Weißmehl oder Emmer, Mikrofaser oder Leder und Fell?

Ach, wissen Sie: Auf Emmer kann ich nach den Dreharbeiten gut verzichten. Besonders, wenn diese lästige Korn-Art noch nicht entspelzt ist. Warum unsere Vorfahren dieses äußerst arbeitsintensive Korn mit seiner furchtbar widerspenstigen Schutzhülle überhaupt angebaut haben, konnte mir bislang kein Archäologe überzeugend erklären. Ansonsten sage ich: Lieber Antibiotika einnehmen, als an einer entzündeten Wunde am Fuß zu sterben. Ich finde: So falsch wie der Mythos vom „glücklichen Wilden“ schon im Hinblick auf die Südseebewohner oder die Indianer war, so falsch wäre er auch im verklärenden Rückblick auf den knallharten Alltag unserer Vorfahren vor 5000 Jahren. Dieses Leben war nicht nur kurz, sondern auch knüppelhart.

Hätten Sie gerne einmal Ihre Rolle als Regisseur verlassen? Hat es Sie bei den Dreharbeiten nie gereizt, selbst einmal versuchsweise in der Jungsteinzeit zu leben – so wie Ihre 13 Teilnehmer es getan haben?

Sie ahnen es bereits. Die Antwort ist: Nein, danke! Ich verspüre keinerlei Bedürfnis, mit “Ötzi“ zu tauschen. Nein!;

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